Die frühe Geschichte Georgiens
Ausgrabungsergebnisse zeigen: bereits früh in der Menschheitsgeschichte wurde die Region des heutigen Georgien vom Menschen besiedelt. 1992 fanden Archäologen bei Ausgrabungen nahe der georgischen Ortschaft Dmanisi im Kleinen Kaukasus den mehr als 1,5 Millionen Jahre alten Kieferknochen eines Homo erectus. Bei späteren Ausgrabungen gab es weitere Funde, darunter den Schädel eines Homo erectus. Diese Entdeckungen sind die ältesten Zeugnisse menschlichen Lebens in Eurasien . Aus den Funden lassen sich wichtige Erkenntnisse über die Gestalt der ersten Europäer ableiten und so helfen sie, die Entstehungsgeschichte des frühen Menschen besser zu verstehen.
Die Königreiche Kolchis und Iberien
Im sechsten Jahrhundert vor Christus entstanden die altgeorgischen Königreiche Kolchis und Iberien.
Kolchis war ein Reich im Westen Georgiens an der Schwarzmeerküste. Über griechische Handelsstützpunkte war es mit der gesamten antiken Welt verbunden: bei Ausgrabungen stieß man auf Münzen aus vielen Teilen des antiken Griechenlands. Das Königreich Kolchis prägte auch selber Münzen, was auf ein entwickeltes Staats- und Wirtschaftswesen schließen lässt. Um seine Unabhängigkeit zu wahren, schenkte Kolchis alle fünf Jahre dem mächtigen persischen Reich 100 Mädchen und 100 Jünglinge.
Durch den Höhenzug des Lichi-Gebirges von Kolchis getrennt, entwickelte sich in Ostgeorgien das Königreich Iberien, auch Kartli genannt. Es war stärker an Persien gebunden als Kolchis. In beiden Königreichen existierten große Erzvorkommen. Gold, Silber, Kupfer und Eisen wurden abgebaut, verhüttet und verarbeitet. Funde von Grabbeigaben verstorbener Angehöriger der Oberschichten dieser Königreiche offenbaren die Kunstfertigkeit der von georgischen Handwerkern gefertigten Stücke.
Der Reichtum an Bodenschätze der Königreiche Iberia und Kolchis ist im wahrsten Sinne des Wortes sagenhaft: der Sage vom Goldenen Vlies nach soll der Grieche Jason mit der Mannschaft seines Schiffes, der Argonaut, nach Kolchis aufgebrochen sein, um das „Goldene Vlies“, das Fell eines Goldenen Widders zu rauben. Die Sage geht auf eine im Kaukasus verwendete Technik des Goldwaschens zurück: das feine Gold wurde mit Schaffellen aus Flüssen aufgefangen.
Die Königreiche Kolchis und Iberien entstanden ungefähr zur selben Zeit, hatten aber für unterschiedlich lange Zeit Bestand. Sie gerieten in den Machtbereich verschiedener Großreiche. Perser und Römer versuchten, ihren Einfluss auf den Kaukasus auszudehnen. Später kamen die Araber und eroberten nach und nach sämtliche Regionen des Kaukasus, dessen ehemalige Königreiche inzwischen in kleinere Provinzen zerfallen waren. 755 setzten sie in Tbilisi einen Emir ein, konnten sich aber nicht lange in der Region halten.
Georgien als frühe Stätte des Christentums
Der Iberische König Mirian III. konvertierte im Jahre 337 zum Christentum und erklärte es zur Staatsreligion, wodurch Georgien, dessen Gebiet damals größtenteils unter iberischer Herrschaft vereint war, zu den ersten christlichen Staaten überhaupt gehörte. Die Bekehrung Mirians wird in der Überlieferung von der heiligen Nino beschrieben, die als Verwandte des heiligen Georgs in Georgien den christlichen Glauben verbreitet haben soll.
Die Geschichtsforschung geht allerdings davon aus, dass die Christianisierung Georgiens durch Mirian III. auch etwas mit der Sicherung seines Reiches gegen Persien zu tun hatte. Persien betrieb damals eine aggressive Expansionspolitik gegenüber dem Kaukasus, weshalb König Mirian die Hilfe Roms suchte, das bereits christlich war. Indem er das Christentum in Iberien zur Staatsreligion erhob, grenzte Mirian III. sich in der Hinwendung zum römischen Reich ausdrücklich gegen Persien ab.


