
- Historisches Tbilisi
Die erste georgische Republik
Die Georgische Nationalbewegung
Das ausgehende 19. Jahrhundert stand unter dem Zeichen einer erstarkenden georgischen Nationalbewegung. Besonders unzufrieden waren viele Georgier über den Verlust der Selbständigkeit der georgisch-orthodoxen Kirche, während zugleich eine wachsende Zahl von Dichtern die georgische Sprache zu einem besonderen Symbol machte und sie zum Träger nationaler Identität werden ließ.
Unabhängigkeit unter dem Protektorat des Deutschen Reiches
Nachdem es zum Ende des Ersten Weltkrieges in Russland zur Oktoberrevolution gekommen war und das Russische Reich zusammenbrach, lösten sich die Staaten des Kaukasus von der russischen Hegemonie. Zunächst bestand zwischen Februar und Mai 1918 die Transkaukasische Föderative Republik , ein Staat, dem Georgien, Armenien und Aserbaidschan angehörten. Dieser Zusammenschluss zerbrach jedoch bald unter inneren Konflikten und dem expansiven Druck, den das Osmanische Reich infolge des Machtvakuums, das durch den Zusammenbruch des Russischen Reiches entstanden war, in der Region auszuüben begann..
Georgien, das unmittelbar an das Osmanische Reich grenzte, sah sich davon bedroht. Unter Vermittlung des Deutschen Reiches kam es zwischen dem Osmanischen Reich und der Transkauaksischen Föderativen Republik in Batumi zu Verhandlungen, die aber erfolglos blieben. So löste sich Georgien mit einer Unabhängigkeitserklärung am 26. Mai 1918 aus der Transkaukasischen Föderativen Republik und schloss, um sich gegen das Osmanische Reich abzusichern, mit dem Deutschen Reich den Vertrag von Poti. Dieser Vertrag, am 28. Mai von General Otto von Lossow und dem georgischen Premierminister Noe Ramishvili im georgischen Poti unterzeichnet, garantierte Georgien die völkerrechtliche Anerkennung und den Schutz durch das Deutsche Reich. Im Gegenzug erhielt das Deutsche Reich freien Zugang zu den Häfen und freie Nutzung der georgischen Eisenbahntrassen sowie Vorrechte beim Abbau von Erzvorkommen.
Mit Vertragsschluss stationierte das Deutsche Reich 3000 Soldaten in Georgien . Als der Deutsche Kaiser allerdings nach Ende des Ersten Weltkrieges infolge der deutschen Novemberrevolution von 1918 abdanken musste, wurde der Vertrag hinfällig und die Deutschen zogen wieder ab. Britische Soldaten nahmen für kurze Zeit ihre Stellungen ein und gewährleisteten noch für eine Weile Schutz vor den russischen Armeen jenseits der Staatsgrenze.
Im Februar 1919 fanden Parlamentswahlen in Georgien statt. Die Sozialdemokratische Partei Georgiens ging als Sieger aus diesen Wahlen hervor und stellte den ersten gewählten Premierminister, Zoe Ramishvili. Ihm folgte noch im selben Jahr Noe Zhordania. Dieser gehörte wie sein Vorgänger den Menschewiki an, die für einen moderaten Sozialismuns eintraten. Die georgischen Bolschewiki versuchten, die menschewistische Regieurng zu Fall zu bringen. 1920 gingen die Bolschewiki in Russland unter Lenins Führung als Sieger aus dem postrevolutionären Bürgerkrieg hervor. Zwar hatte Lenin Georgien noch 1920 formell anerkannt, doch 1921 stieß die Rote Armee in den Kaukasus vor. Die kaukasischen Länder wurden allesamt zu sozialistischen Sowjetrepubliken und 1922 in der Transkaukasischen Sozialistisch Föderativen Republik zwangsweise zusammengefasst.

