Traditionen - Vielfalt und nationale Identität
Lebendige Traditionen sind in Georgien allgegenwärtig und über die Jahrhunderte von den Menschen bewahrt worden. Beispielhaft hierfür ist die georgische Tafel, die so genannte Supra, die von einem zuvor gewählten Tischführer (Tamada) geleitet und durch Trinksprüche, Reden und Gesang gestaltet wird.
Eine Reihe von Feiertagen bietet mehrmals im Jahr Anlass, mit der Familie, Freunden, Bekannten und auch Gästen aus der Fremde Gemeinsamkeit und Freude zu erleben. Da in Georgien der Kalender der georgisch-orthodoxen Kirche gilt, sind die kirchlichen Feste im Vergleich zum deutschen Kalender um zwei Wochen verschoben.
1. Januar | Neujahr | ||||||
7. Januar | Weihnachten | ||||||
19. Januar | Heilige Drei Könige | ||||||
3. März | Muttertag | ||||||
4. April / 8. Mai | Osterfest | ||||||
26. Mai | Tag der Unabhängigkeit | ||||||
24. August | Tag der Verfassung | ||||||
28. August | Mariaomba (Tag der Heiligen Maria) | ||||||
14. Oktober | Swetizchowloba (Tag von Swetizchoweli) | ||||||
28. Oktober | Tbilissoba (Das Hauptstadtfest) | ||||||
23. November | Giorgoba (Tag des Heiligen Georg) |
Die traditionellen Feiertage Weihnachten, Neujahr und Ostern werden anders gefeiert als in Europa, sind aber ebenso bedeutsam und stets ein willkommener Anlass alte Traditionen mit neuem Leben zu füllen.
Weihnachten
Das Weihnachtsfest am 7. Januar wird von den Georgiern traditionell mit einem Kirchgang verbunden, eine Bescherung wie in anderen Ländern gibt es nicht. Eine der ältesten georgischen Traditionen zu Weihnachten ist jedoch das Alilo – ein georgisches geistliches Lied, das am Weihnachtsabend in allen Kirchen Georgiens erklingt – verbunden mit einer vor mehreren Jahrhunderten entstandenen wohltätigen Weihnachtstradition: dem Sammeln von Spenden für Waisenkinder und sozial schwache Bürger. Im Rahmen eines Festzuges gratulierte man den Passanten zu Weihnachten und sammelte in Körben Süßigkeiten für Waisenkinder. Nachdem diese Tradition zwischenzeitlich eingeschlafen war, belebte Georgiens Patriarch Ilia II im Jahr 1990 wieder. Seitdem wird die festliche Liturgie zu Weihnachten wieder vom Festzug gekrönt.
Neujahr
Eines der größeren Feste Georgiens ist das Neujahrsfest. Das Schmücken des Tannenbaums und das festliche Herrichten der Häuser und Wohnungen fallen in diese Zeit. Symbolische Bedeutung hat an diesem Abend vor allem der Besuch des ersten Gastes, des so genannten Mekvle. Er oder sie soll der Familie während des kommenden Jahres Glück bringen. Während der Mekvle früher ein Mann sein musste, sind Geschlecht und Alter heute nicht mehr von großer Bedeutung.
Die Mitglieder der Familie versuchen, das Haus nach Mitternacht nicht mehr zu verlassen und warten meist ungeduldig auf den ersten Gast, dessen Erscheinen eine große Zeremonie ist. Der Mekvle muss vor allem Süßigkeiten und Früchte mitbringen – die symbolisch Glück, Wohlstand, Freude und Gesundheit darstellen – und sie den Gastgebern mit dem Wunsch „ase tkbilad daberdi“ („so süß sollst du altern“) überreichen. Mit Beginn des neuen Jahres um Mitternacht wird gemeinsam angestoßen, Glück und Gesundheit gewünscht und im Anschluss mit Verwandten, Nachbarn oder Freunden das Fest gemeinsam gefeiert.
Ostern
Das georgische Osterfest wird ähnlich wie in Deutschland begangen und zumeist im April gefeiert. Rot bemalte Eier und ein hoher runder Kuchen namens Paska sind eine georgische Besonderheit. Am anschließenden Ostermontag, dem „Tag der Toten“, besucht traditionell die ganze Familie die Gräber der nächsten Angehörigen und Verwandten, um sie zu pflegen und dort ein kleines Mahl und ein Glas Wein zu sich zu nehmen. Nach alter Tradition werden die verbliebenen Teile des Mahls im Anschluss am Grab zurückgelassen.
Tag des Heiligen Georg
Die orthodoxe Kirche Georgiens feiert mit dem Tag des Heiligen Georg (in Georgien "Giorgoba" genannt) am 23. November jeden Jahres einen besonders wertgeschätzten Feiertag in Georgien.
Nach der Überlieferung wurde Georg in Kapadokia (Kleinasien) geboren und war als Sohn wohlhabender christlicher Eltern ebenfalls ein leidenschaftlicher Anhänger des Christentums. Georg soll Drachenjäger gewesen sein und wird in der Ikonographie entsprechend dargestellt. Sein Symbol ist das sogenannte Georgskreuz, das rote Kreuz auf weißem Grund, das auch Teil der Nationalflagge Georgiens ist.
Tag der Unabhängigkeit
Nach der russischen Bürgerrevolution im Jahr 1917 wurde Georgien zunächst von einem Nationalrat regiert, der am 26. Mai 1918 in einer Verordnung die Unabhängigkeit Georgiens proklamierte. Nach der Annektierung Georgiens durch die Rote Armee der Sowjetunion im Februar 1921 war die georgische Staatsregierung jedoch gezwungen, das Land zu verlassen. Georgien verlor seine Unabhängigkeit daraufhin für siebzig Jahre.
Im Zuge von Glasnost und Perestroika in der Sowjetunion gab es 1989 auch in Georgien zahlreiche friedliche Demonstrationen für die Wiedererlangung der Unabhängigkeit des Landes. Als unmittelbares Ergebnis einer Volksbefragung am 31. März 1991 erlangte das Land schließlich seine Unabhängigkeit wieder, die am 9. April 1991 in Kraft trat.
Wiederum an einem 26. Mai wurden 1991 die ersten Präsidentenwahlen Georgiens durchgeführt und Zwiad Gamssachurdia zum Präsidenten gewählt. Seither wird am 26. Mai der Unabhängigkeitstag Georgiens begangen.


