Georgiens vielfältige Völker
Das Volk der Georgier vereinigt verschiedene südwestkaukasische Stämme, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, als Russland Georgien annektiert hatte, von der Bagratiden-Dynastie regiert wurden. Aufgrund der strategischen Lage des heutigen Georgiens zwischen Ost und West, zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer, der Türkei und dem Iran, wurde die georgische Kultur unter der Bagratiden-Dynastie immer wieder von verschiedenen Völkern und deren Sitten beeinflusst. Die georgischen Stämme wurden im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in dem Gebiet der Legende nach bereits im 4. Jahrhundert durch die „Heilige Nino“, eine kappadokische Predigerin, christianisiert. Heute gehören die meisten Georgier der „Georgisch Orthodoxen Apostelkirche“ an, während es georgisch-muslimische Gemeinschaften besonders in der Türkei, im Iran, in Aserbeidschan und in Adscharien, einer autonomen Republik Georgiens, gibt. Bis heute sind die Georgier von einer Vielzahl lokaler Gemeinschaften geprägt, die jeweils über eigene Traditionen, Kulturen und teilweise sogar eigene Dialekte oder gar Sprachen verfügen.
Eigene Traditionen, eigene Sprachen
Die größte georgische Kulturgruppe bilden die Kartvelebi, der die meisten Georgier angehören. Zu den Kartvelebi gehören unter anderem folgende Untergruppen: Im Nordwesten, in Odischi und Gurien sowie in der Region Mingrelien – Semo-Swanetien leben die christlichen Mingrelier. Sie sprechen Mingrelisch, eine dem Georgischen verwandte, südkaukasische Sprache. Mit den Mingreliern verwandt sind die an der südöstlichen Schwarzmeerküste in Teilen der Provinzen Artvin und Rize lebenden Lasen, von denen kleinere Gruppen auch in der georgischen autonomen Republik Adscharien angesiedelt sind sowie in der Türkei, wo sie allerdings nicht als ethnische Minderheit anerkannt werden. Anders als die Mingrelier sind die Lasen sunnitische Muslime hanafitischer Rechtsschule, der größten Rechtsschule im sunnitischen Islam, die im Osmanischen Reich ihre größte Entfaltung fand und in dessen Nachfolgestaaten auch heute noch vorherrschend ist. Alle Lasen sprechen Lasisch, das zusammen mit dem Mingrelischen zur Familie der San-Sprachen gehört, welche wiederum eine Untergruppe der Kartwelischen Sprachen sind. Zu ihnen zählt auch das Georgische und zeichnet sich, wie all die anderen Sprachen der Region, durch ein sehr komplexes Lautsystem und einen immensen Reichtum an unterschiedlichen Konsonanten aus.
Die vierte der größeren georgischen Kulturgruppen bilden die Svans. Auch sie sprechen eine eigene Sprache, Swanisch, das ebenfalls zur Kartwelischen Sprachfamilie gehört. Obwohl jede Kulturgruppe ihre eigene Sprache hat, vermitteln sich Literatur und Bildung über die gemeinsame Sprache und Schrift „des Georgischen“, welches seine Ursprünge im fünften Jahrhundert hat und seit Staatsgründung offizielle Amtssprache ist.


