News York Times: „Russland verharrt weiterhin in der Vergangenheit“
Artikel kritisiert, dass Moskau Zeichen der Annäherung aus Georgien nicht erwidert
16. April 2012
„Während Georgien Schritte nach vorne macht, verharrt Russland weiterhin in der Vergangenheit. Es ist Zeit für die russische Regierung, die Zeichen des guten Willens aus Tbilisi zu erwidern“. So lautet die Kernaussage eines Artikels der New York Times vom 13. April, der das georgisch-russische Verhältnis dreieinhalb Jahre nach dem August-Krieg analysiert.
Der Bericht verweist dabei auf die zahlreichen Initiativen der georgischen Regierung, auf deren Grundlage eine Wiederannäherung zwischen beiden Seiten herbeigeführt werden soll. So habe Georgien kürzlich nicht nur die visafreie Einreise für russische Staatsbürger ermöglicht, sondern Ende letzten Jahres auch einem Abkommen zugestimmt, mit dem der Weg für einen Beitritt Russlands zur Welthandelsorganisation (WTO) geebnet worden war.
Zudem setze sich der Präsident von Georgien, Micheil Saakaschwili persönlich dafür ein, den Einfluss der politischen Spannungen auf die Verständigung zwischen beiden Völkern zu reduzieren. Der Erfolg dieser Maßnahmen schlägt sich dem Bericht zufolge auch in konkreten Zahlen nieder. Mit Bezug auf die nationale Tourismusbehörde von Georgien wird erwähnt, dass sich die Zahl der Besuche aus Russland zwischen Februar und März verdreifacht habe. Insgesamt hätten rund 50.000 russische Touristen im ersten Quartal 2012 Georgien besucht, heißt es in dem Artikel.
Auf der anderen Seite kritisiert die Autorin, dass die Führung in Moskau diese Signale der Wiederannäherung aus Georgien bisher nicht erwidert habe. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf die weiterhin geltende Visumspflicht für georgische Staatsbürger bei Reisen nach Russland. Außerdem habe das Embargo der russischen Regierung auf georgischen Wein weiterhin Bestand, wodurch ein wichtiger Absatzmarkt für die Produzenten weggebrochen sei.
Die Autorin schließt mit dem Appell an die Führung in Moskau auf Georgien zuzugehen, um friedliche Beziehungen zwischen beiden Ländern zu ermöglichen. „Es mag eine schwierige Aufgabe sein, Stabilität in dieser Region zu erreichen, aber vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür“, verleiht die Autorin ihrer Hoffnung abschließend Ausdruck.
Quelle: New York Times

