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Brücke zwischen Orient und Okzident

Georgien hat gute Chancen, sich zum zentralen Drehkreuz für den Transitverkehr zwischen der Türkei, dem Iran und dem Nahen Osten zu entwickeln.

Internationale Hilfsgelder werden momentan eingesetzt, um die Schäden an der Infrastruktur aus dem Konflikt mit Russland im August 2008 zu beseitigen. Dafür hat die internationale Staatengemeinschaft auf einer Geberkonferenz unter der Schirmherrschaft der Europäischen Kommission und der Weltbank im Herbst 2008 3,5 Milliarden Euro bereitgestellt.

Nationale und internationale Finanzinstitutionen wie Weltbank, Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung oder Kreditanstalt für Wiederaufbau finanzieren zudem die Modernisierung langfristig angelegter Infrastrukturprojekte: den Ausbau des Stromleitungsnetzes,  örtlicher Einrichtungen wie Gesundheitszentren und Schulen oder des nationalen und regionalen Straßennetzes.

Auch private Firmen treiben den Ausbau der wichtigsten Infrastruktureinrichtungen in Georgien voran. So investieren ausländische Unternehmen beispielsweise in Wasserkraftwerke und das Energienetz.

Verkehrsnetze werden engmaschiger
Mit Geldern der Weltbank werden Überlandstraßen, Autobahnverbindungen und Brücken aufwendig modernisiert, wobei die Weltbank die Verwendung der bereitgestellten Mittel genau kontrolliert. Der größte deutsche Investor in Georgien, Heidelberg Cement, ist am Ausbau der Autobahn zwischen Tiflis und Gori beteiligt.

Im Februar 2007 nahm der neue Flughafen Tiflis, der direkt an die Eisenbahn angebunden ist, seinen Betrieb auf. Der Flughafen der Hafenstadt Batumi an der Schwarzmeerküste im grenznahen Gebiet zur Türkei wurde modernisiert und wird nun verstärkt für den Güteraustausch mit der Türkei genutzt.
Die georgische Regierung hat ein Abkommen mit dem Nachbarland Aserbaidschan unterzeichnet, das den Bau einer grenzüberschreitenden Eisenbahnlinie von Baku (Aserbaidschan) durch Georgien nach Kars (Türkei) vorsieht. Auch Kasachstan plant, die Eisenbahnstrecke zu nutzen: Über die Eisenbahnverbindung sollen jährlich bis zu 10 Millionen Tonnen Fracht transportiert werden.

Außerdem beabsichtigt Georgien um den Schwarzmeerhafen von Poti eine Freihandelszone zu schaffen. Bis 2015 sollen dort 19 Millionen Tonnen an Gütern umgeschlagen werden.  In Poti errichten türkische Investoren ferner ein neues Erdölterminal, während im Schwarzmeerhafen von Batumi das bestehende um eine Raffinerie erweitert wird – so die Pläne ausländischer Investoren aus den Nachbarländern.

Gas und Öl fließen durch Georgien
Georgien nimmt eine zentrale Rolle beim Transport von Erdöl und Erdgas auf dem Weg von Zentralasien nach Westeuropa ein.

Im Juli 2006 wurde eine fast 1.800 Kilometer lange Erdölpipeline in Betrieb genommen, die das schwarze Gold von Baku (Aserbaidschan) über Tiflis nach Ceyhan in der Türkei transportiert. Es ist eine der längsten Pipelines der Welt, über die 2007 mehr als 200 Millionen Barrel Öl von der Küste des Kaspischen Meers an die türkische Mittelmeerküste transportiert wurde.

Zwei Monate zuvor – im Mai 2006 – hatte auch die Erdgaspipeline von Baku (Aserbaidschan) über Tiflis nach Erzurum in der Türkei ihre Arbeit aufgenommen. Darüber werden heute jährlich bis zu 20 Millionen Kubikmeter Erdgas vom Schwarzen Meer nach Georgien, Armenien und in die Türkei geliefert. Von den insgesamt 690 Kilometern Länge führen 250 Kilometer durch Georgien.

Langfristig wird erwogen, diese Erdgaspipeline um einen Anschluss an die so genannte Nabucco-Pipeline zu verlängern.  Diese soll ab 2014 Erdgas von der Türkei über Bulgarien, Rumänien und Ungarn direkt nach Österreich liefern. Dadurch könnte der Rohstoff von Georgien geradewegs auch nach Deutschland gelangen.

Seit 1999 besteht überdies eine 830 Kilometer lange Erdölpipeline von Baku (Aserbaidschan) nach Suspa (Georgien), die bis zu 155.000 Barrel Rohöl am Tag transportiert.

Die Energie aus den Bergen
Georgien verfügt kaum über eigene Energiereserven. Seine Rolle beschränkt sich auf den Energietransfer, und so bleibt Georgiens Energieversorgung von Energieimporten abhängig. Erdöl kommt aus Kasachstan, Erdgas aus Russland, während die Hauptenergiequelle im eigenen Land die Wasserkraft der zahlreichen Flüsse im Kaukasus ist. Investitionen in das Stromnetz und in Kraftwerke sind daher notwendig, um die Industrie mit ausreichend Energie versorgen zu können.