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Auf Reformkurs

Die Weltbank hat in ihrem Bericht „Doing Business 2010“ die Wirtschaftsreformen in Georgien als sehr positiv bewertet: keine Hürden bei der Unternehmensgründung, einfache und verständliche Genehmigungsverfahren in der Bauwirtschaft sowie im – vor allem grenzüberschreitenden – Handel.  Die 2004 gewählte neue Regierung hatte sich für radikale Strukturreformen entschieden. Insbesondere die Wirtschaftsreformen, die in Estland anlässlich des EU-Beitritt des Landes durchgeführt wurden, dienten Georgien als Vorbild.  Bereits 2006 bestätigte die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung Georgien überdurchschnittliche Reformfortschritte, vor allem im Ausbau der nationalen Infrastruktur, im Banken- und Finanzsystem, in der Währungs- und Wettbewerbspolitik sowie in der Privatisierung und Liberalisierung des Marktes.


Hohe Attraktivität und Standortpotentiale
Die Lage macht den Unterschied: Georgien liegt an der Schnittstelle zwischen Europa und Zentralasien – ein entscheidender Faktor, wenn es um das Zusammenwachsen der regionalen Märkte geht. In den letzten Jahren ist die Wirtschaft stark gewachsen, aber die internationale Wirtschaftskrise und der Konflikt mit Russland im August 2008 haben ihre Spuren hinterlassen und die Entwicklung gebremst.

Aktuelle Prognosen für den weiteren Fortschritt gehen auseinander: Das georgische Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung erwartet zum Jahresende 2009 ausländische Direktinvestitionen in Höhe von insgesamt ca. zwei Milliarden US-Dollar.  Währenddessen rechnet der Internationale Währungsfonds für 2009 mit einer Gesamtsumme von einer Milliarde US-Dollar.

2007 war es knapp das Doppelte, während die ausländischen Investitionen in 2008 einen Wert von 1,5 Milliarden US-Dollar erreichten; und dies trotz widriger Umstände. Der Ansturm internationaler Investoren blieb bis August 2008 ungebrochen, wobei mittlerweile die Vereinigten Arabischen Emirate die USA als wichtigsten ausländischen Investor abgelöst haben.  

Die Gelder fließen hauptsächlich in die Sektoren Transport und Telekommunikation, in die Bau- und Immobilienwirtschaft sowie ins Gesundheitswesen, den Finanzsektor und schließlich in den Tourismus.


Deutsche Firmen bündeln ihre Aktivitäten auf dem georgischen Markt

Heidelberg Cement ist der größte deutsche Investor in Georgien und gleichzeitig der zweitgrößte Zementhersteller auf dem georgischen Markt. Der Bedarf an Baustoffen ist riesig, denn sowohl die Straßen als auch Industrie- und Wohnanlagen müssen modernisiert werden.  So hat der Farbenhersteller Caparol einen Produktionsstandort in Tbilisi, der Baustoffhersteller Knauf vertreibt dort seine Produkte vor Ort und gleich daneben konnte sich die ProCredit Bank als eine der vier größten Banken in Georgien etablieren.

In Deutschland ansässige Nahrungsmittelhersteller nutzen die landwirtschaftliche Tradition und das Klima Georgiens: Babynahrungshersteller Claus Hipp betreibt eine Niederlassung in Tbilisi, die Martin Bauer GmbH bezieht Teesorten für ihre Gesundheitstees aus Georgien und der Süßwarenhersteller Ferrero kauft hier seine Nüsse ein, während Hahn Weintechnik die Potenziale Georgiens als eines der ältesten Weinländer der Erde für sich entdeckt hat.

Aber noch andere namhafte Konzerne aus Deutschland haben den georgischen Markt für sich entdeckt, so die Autohersteller Volkswagen und Opel, dann Siemens, die Deutsche Lufthansa, DHL und Heidelberger Druckmaschinen.


Wachstum hält an
Zwischen 2000 und 2003 stieg das Bruttoinlandsprodukt jährlich um durchschnittlich 7 Prozent, von 2004 bis 2007 sogar um 9,3 Prozent.  Auch die Wirtschaft wächst weiter – und das trotz der negativen Auswirkungen der Auseinandersetzung mit Russland im Sommer 2008. Zwar ist das Bruttoinlandsprodukt in 2008 nur geringfügig gewachsen, dennoch erholt sich die Wirtschaft zügig und entwickelt sich deutlich in Richtung einer positiven Bilanz.