Zwischen Selbstversorgung und Exportbestrebungen
Georgien ist traditionell stark von der Landwirtschaft geprägt. 43 Prozent der Landesfläche sind landwirtschaftliche Nutzfläche. Fast die gleiche Fläche ist mit Wald bedeckt. Nahezu alle Boden- und Klimatypen kommen in Georgien vor, woraus sich vielfältige Nutzungsmöglichkeiten ergeben. In erster Linie werden Getreide, Rüben und Kartoffeln angebaut – daneben aber auch Südfrüchte, Tee, Tabak, und Weintrauben. An der Küste wachsen Eukalyptus, Bambus und Edellorbeer. In den Export gehen hauptsächlich Tee, Wein und Zitrusfrüchte. Importiert wird im Gegenzug Getreide aus der Ukraine, der Türkei und Kasachstan.
Zu Zeiten der Sowjetunion war Georgien der wichtigste Versorger der restlichen Union mit Früchten, Gemüse und Wein(trauben). Georgien war es als einziger Republik in der Sowjetunion erlaubt, einen kleinen Teil der vorhandenen Felder privat zu bestellen . Trotzdem bewirtschafteten staatliche Betriebe zum Zeitpunkt der georgischen Unabhängigkeit 1991 noch 87 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. So wurden in den frühen neunziger Jahren rund drei Millionen Hektar von 1.300 staatlichen Landwirtschaftsbetrieben bestellt. Bereits 1992 entschloss sich daher die georgische Regierung in der ersten Landreform zur Verteilung der landwirtschaftlichen Flächen an die Bevölkerung. Bis 1996 wurden knapp vier Millionen Parzellen (ca. 930.000 Hektar) an 1,4 Millionen Einwohner vergeben. Gleichzeitig ging jedoch auch der Anteil der Landwirtschaft an der gesamtwirtschaftlichen Produktion zurück. Gute Ernten in den Jahren 1997 und 2001 aber halfen der landwirtschaftlichen Produktion wieder aus dem Tief heraus, ebenso Kredite und technische Unterstützung aus dem Ausland.
Traditionsreiche Weinbaukultur
Als Weinbauregion wurde Georgien in Westeuropa lange unterschätzt. Während der Zeit der Sowjetunion gingen sämtliche Weinexporte in die anderen Sowjet-Republiken, was zur Folge hatte, dass georgischer Wein in Westeuropa nahezu unbekannt war. Dabei gibt es in Georgien über 500 Rebsorten. Bereits vor fast 7.000 Jahren wurde Wein im Südkaukasus angebaut, so zeigen die Funde von Rebsamen in altertümlichen kaukasischen Grabkammern. Nicht zuletzt wegen dieser langen Tradition betreibt das Weininstitut in Tbilisi ein eigenes Museum zur Weingeschichte. Bei Ausgrabungen in der ostgeorgischen Region Kachetien ist man sogar auf Überreste einer Universität aus dem 11. Jahrhundert gestoßen, an der man schon damals Weinbau und Weinproduktion studieren konnte.
Agrarreform: Deutschland unterstützt Modernisierung
Mit der zweiten Agrarreform wurde ab 2005 weiteres Ackerland privatisiert. Damit befindet sich heute mehr als die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbaufläche Georgiens in privaten Händen. Das landwirtschaftliche Potenzial ist jedoch bei Weitem noch nicht erschöpft. Um aber die meisten kleinteiligen Nutzflächen in Zukunft rentabler bewirtschaften zu können, sind weitere Modernisierungsmaßnahmen notwendig.
So stützt sich heute beinahe die gesamte landwirtschaftliche Produktion Georgiens auf kleinbäuerliche Familienbetriebe, für die die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln vor Ort oder in der näheren Umgebung im Vordergrund steht. Allerdings fehlt es den meisten Betrieben momentan noch an technischen Produktionsmitteln und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Hier hilft Deutschland mit einem Kooperationsprogramm beim Aufbau eines landesweiten Ausbildungssystems für landwirtschaftliche Fach- und Führungskräfte.


