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Wirtschaft im Um- und Aufbruch

Georgiens Wirtschaft litt stark unter dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 und dem anschließenden Bürgerkrieg  von 1992 bis 1994.  Dennoch: Seit Beginn des 21. Jahrhunderts befindet sich die georgische Wirtschaft auf einem konstanten Wachstumskurs und trotz nach wie vor schwankender Wachstumsraten des Bruttoinlandproduktes, verbessert sich die gesamtwirtschaftliche Situation zunehmend. Vor allem  Bergbau und  Telekommunikation zeichneten sich als besonders wachstumsstarke Branchen aus.  Wichtigstes Ziel der Wirtschaftspolitik ist es das Preisniveau zu stabilisieren (wobei schon für 2009 ein Sinken der Inflation von noch 8,8 Prozent im Jahr 2006 auf voraussichtlich 5,0 Prozent prognostiziert ist).

Erfolgreicher Reformprozess
Indes wächst nicht nur die Wirtschaft, sondern auch der Staatshaushalt: Seit 2004 hat sich das Budget des georgischen Staatshaushaltes verzehnfacht und betrug 2009 zwei Milliarden Euro.

Die Rosenrevolution im Jahr 2003 hatte erhebliche Auswirkungen auf die georgische Wirtschaftspolitik: Hatte das alte System auf staatliche Eingriffe gesetzt, um die Wirtschaftlichkeit zu lenken, fährt die georgische Regierung seither einen westlich orientierten, marktwirtschaftlichen Kurs, der rechtlich verbindliche und verlässliche Rahmenbedingungen erforderlich macht. Daneben setzt die Wirtschaftspolitik energisch auf die Privatisierung wichtiger Sektoren, wie beispielsweise die Energiewirtschaft.

Die Regierung legte ein umfassendes Reformprogramm vor, das noch nicht ganz abgeschlossen ist.  Seit Januar 2005 treten nach und nach die einzelnen Stufen einer Steuerreform in Kraft: Steuersätze wurden reduziert, aneinander angepasst, vereinfacht und auf diese Weise die Steuereinnahmen stabiler und transparenter gemacht. Das georgische Steuersystem ist jetzt eines der liberalsten in der Kaukasus-Region.

Internationale Unterstützung und Anerkennung
Außerdem wurden im Zuge des seit 2004 durchgeführten Reformprozesses  Firmengründungen und ähnliche genehmigungspflichtige Gewerbezulassungen vereinfacht. Von der Weltbank wurden die georgischen Wirtschaftsreformen ausdrücklich positiv bewertet. Derzeit nimmt Georgien im internationalen Vergleich den 11. Platz ein, und steht damit gleich hinter Norwegen.  Um den Reformkurs nicht durch die seit 2008 anhaltende Wirtschafts- und Finanzkrise zu gefährden, versucht der Staat, die Wirtschaft durch ein Konjunkturpaket in Höhe von einer Milliarde Euro weiter zu beleben.

Die Korruption im Land wird intensiv und konsequent bekämpft und die Schattenwirtschaft konnte bis 2007 erfolgreich zurückgedrängt werden. Lag der Anteil der Schwarzarbeit an allen wirtschaftlichen Aktivitäten im Jahr 2003 noch bei 60 Prozent, hat er sich (entsprechend von Schätzungen der KfW Entwicklungsbank) bis 2007 auf 30 Prozent verringert.

Lebensbedingungen verbessern sich nur langsam

Entwicklungsbedürftig bleibt nach wie vor der Arbeitsmarkt. 2008 lag die offizielle Arbeitslosigkeit noch bei 16,5 Prozent.  Das monatliche Durchschnittsgehalt hingegen, hat sich von 2006 bis 2008 nahezu verdoppelt und stieg von 278 Lari 2006 (ca. 110 EUR; Wechselkurs von Mitte Oktober 2009) auf 550 Lari im Jahr 2008 (ca. 216 EUR; Wechselkurs Mitte Oktober 2009). Ein besonderes Einkommensgefälle herrscht immer noch zwischen Stadt und Land: Während die Lebensverhältnisse in den städtischen Zentren modern und fortschrittlich sind, bleiben die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den ländlichen Regionen trotz eines verbesserten Zugangs zu den Gesundheitseinrichtungen oft schwierig. Der Krieg im August 2008 hat die Lage zudem für viele Menschen verschlechtert: Öffentliche Gebäude und Straßen wurden zerstört und die Menschen aus ihren Häusern und Höfen vertrieben. Abgeschnitten ist seitdem auch der Zugang zu wichtigen landwirtschaftlichen Anbaugebieten in Abchasien.